Nicht den Kopf hängen lassen

Nicht den Kopf hängen lassen

Um den Bestand der heimischen Fledermausarten zu sichern und im besten Fall auszubauen, ist es notwendig, sie bei ihrer Suche nach geeigneten Brutmöglichkeiten und Quartieren zu unterstützen. Durch intensive Land- und Forstwirtschaft und den damit verbundenen Verlust von Lebensraum ist es erforderlich einen Ausgleich zu schaffen. Natürlich sind ausreichend vorhandene Nahrungsbedingungen die Grundvoraussetzung. Die nächtlichen Jäger, die sich auch um lästige Insekten wie Mücken kümmern, finden immer seltener geeignete Schlaf- und Ruheplätze. Dies liegt in erste Linie an der Sanierung der Gebäude, wodurch die Tiere keinen Zugang mehr zu den Schlafplätzen haben und auch die Aufzucht in den Wochenstuben verhindert wird. Dem kann man mit Fledermauskästen Abhilfe schaffen. Diese können durch ihre spezielle Bauweise von mehreren, verschieden großen Arten genutzt werden. So finden unter anderem Zwergfledermaus, Mückenfledermaus und Breitflügelfledermaus Unterschlupf in diesen Sommerquartieren.
Die Fledermausart Graues Langohr liegt uns besonders am Herzen. Diese Fledermausart ist im Anhang IV der FFH-Richtlinie gelistet. Aufgrund ihrer Gefährdung und eines festgestellten negativen Entwicklungstrends steht sie in der TOP 50-Liste der landesbedeutsamen Arten in Sachsen, für die Artenschutzmaßnahmen vordringlich und erfolgversprechend sind. Im Bericht nach Artikel 17 FFH-Richtlinie 2007-2012 zum Erhaltungszustand der Arten im Freistaat Sachsen wurde ein unzureichender Erhaltungszustand für die Art festgestellt. Nur durch Optimierungsmaßnahmen in bestehenden und potenziellen Quartieren sind die dauerhafte Sicherung der Artvorkommen und eine Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der Art in Sachsen möglich.

Im Zeitraum 2015 - 2016 wurden in der Oberlausitz Untersuchungen zur Quartiersituation des Grauen Langohrs durchgeführt. Darauf aufbauend erfolgte eine Anbahnung der konkreten Maßnahmenumsetzungen in bestehenden und potenziellen Quartieren des Grauen Langohrs im Vorkommensschwerpunkt Oberlausitz (jeweils beauftragt durch das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Außenstelle Kamenz). Im Rahmen der Maßnahmenanbahnung liegen zurzeit für mehrere Quartiere Maßnahmenplanungen sowie die Zustimmungen der Eigentümer für die Durchführung vor. Diese Maßnahmen sollen nun von der Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz" e.V. mit fledermauskundlicher Baubegleitung umgesetzt werden. In allen besetzten Quartieren ist ein Bauzeitraum im Winterhalbjahr erforderlich. Zusätzlich soll ein Monitoring bedeutender Gebäudequartiere in der östlichen Oberlausitz erfolgen. Hierfür wurden Quartiere nach folgenden Kriterien ausgewählt:

    - Arten:     Großes Mausohr, Graues Langohr, Breitflügelfledermaus
            bedeutende Quartiere mit mehreren Arten
Es handelt sich nicht um Monitoringquartiere im landesweiten Fledermausmonitoring.
Begleitend zu den praktischen Schutzmaßnahmen möchten wir in diesem Projekt zahlreiche Umweltbildungs- und Öffentlichkeitsveranstaltungen durchführen.
Zielstellung
Mit dem vorliegenden Projekt möchte die Naturschutzstation besonders das Thema "Fledermäuse" verstärkt kommunizieren und mit geeigneten Veranstaltungen und Aktionen die ortsansässige Bevölkerung sowie die Landnutzer besser informieren und ihnen vor allem die Scheu nehmen, solche seltene Unterbewohner auch zu melden. Viele haben Angst vor Auflagen durch die Behörden. Hier können wir informieren, vermitteln und Lösungswege aufzeigen.
Augenmerk wird bei der Umweltbildung nicht nur auf die Aufklärung der Landnutzer und die ortsansässigen Bürger gelegt, sondern ganz bewusst auch auf die heranwachsende Generation, die Kinder und Jugendlichen, da der Grundstein für ein umweltbewusstes Verhalten bereits im frühen Kindesalter gelegt werden muss. Die Geschichten von der „blutsaugenden Fledermaus, die in die Haare fliegt und Tollwut überträgt“, sind immer noch verbreitet und müssen durch altersgerechte und spielerische Wissensvermittlung widerlegt werden. Über die Sensibilisierung der Kinder können Synergieeffekte in den Familien erreicht werden und somit eine noch breitere Bevölkerungszahl erreicht werden.
Gefördert wird dieses Projekt durch das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen 2014 -2020 und den europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes.