Kopfweidenpflege in der Gemeinde Malschwitz

Kopfweiden sind prägende Elemente in unserer Kulturlandschaft. Ihr unverwechselbares Aussehen verleiht der Landschaft eine charakteristische Eigenart und Schönheit. Als Kopfweide bezeichnet man eine Weide, deren Stamm als Jungbaum auf einer Höhe von etwa 1 bis 3 Metern eingekürzt – geköpft - wurde und deren Zweige in der Folge regelmäßig beschnitten werden. Traditionell wurden regelmäßig und in kurzem Abständen geschnittene Weidenruten häufig zum Flechten von Körben verwendet oder auch für den Hausbau im Verbund mit Lehm. Außer dem Korbmacher verwendet man heute Weiden auch für den „Lebendverbau“ zur Anlage von Hecken oder für die Ufersicherung bzw. als Faschinen an Gewässern. Der Schnitt wird im Zeitraum vom 1. Oktober bis 28. Februar durchgeführt. Es sollten niemals alle Bäume eines Bestandes verschnitten, werden, um den dort lebenden Tieren im näheren Umfeld ein Ausweichen zu ermöglichen. Kopfweiden bieten zahlreichen, z. T. seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen unersetzbaren Lebensraum. In ausgeräumten Agrarlandschaft stellen sie nicht selten die  letzten verbliebenen Kleinlebensräume dar.  Dabei zählen die für Kopfbäume in der Regel verwendeten Weidenarten zu den insektenreichsten Baumarten überhaupt. Mit zunehmendem Alter wächst der ökologische Wert der Kopfbäume sowohl als Lebensraum und Zufluchtstätte als auch als Trittsteine für den Biotopverbund. Bedrohte Fledermausarten sowie Höhlen- und Halbhöhlenbrüter wie der stark gefährdete Steinkauz können in den häufig hohlen Stämmen älterer Kopfbäume Unterschlupf und Nistgelegenheit finden. Die ausgefaulten, vielfach aus Spechthöhlen hervorgegangenen Baumhöhlen dienen aber auch vielen anderen Vogelarten als Brutplatz. Zahllose Insektenarten wie Käfer, Schmetterlinge und  Wildbienen verbringen in angefaulten, mulmreichen, zerfurchten oder ausgehöhlten Bäumen ihre Larvenzeit oder nutzen Blüten, Blättern und Knospen als Nahrungsquelle. Zudem besiedeln auch andere Pflanzen wie Moose, Flechten oder auch Pilze die Stämme der Kopfweiden. Bei der Pflege alter Kopfweiden werden durch den Förderverein zugleich zahlreiche Weidenstecklinge geschnitten und im Biosphärenreservat gepflanzt. So trägt der Förderverein zur Verbreitung der Kopfweiden bei. Einige der Stecklinge sind inzwischen zu  stattlichen Kopfweiden herangewachsen. Für das Storchenprojekt werden jährlich Kopfweiden verschnitten, um Flechtmaterial für die Nisthilfen der Weißstörche zu erhalten. Im Rahmen der Umweltbildung bieten alte Kopfweiden darüber hinaus die Möglichkeit zu zahlreichen Naturbeobachtungen und zum Naturerleben aufgrund der enormen Strukturvielfalt an Stamm, Kopf und Krone mit der vielseitigen Pflanzen- und Tierwelt.  

 

Im Rahmen des aktuellen Förderprogrammes konnten 19 starke Kopfweiden in der Gemeinde Malschwitz verschnitten werden.